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Online Freunde


Datum: December 18 2006, 18:57 (UTC (MESZ -2, MEZ -1))
Kategorien: Gesellschaft & Mein Leben
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Online Freunde sind eine schöne Sache … Ein wichtiger Grund ist, dass man sie so “leicht” findet und Freundschaften schließt.

Wobei sich jetzt hier die Diskussion eröffnet: Was sind Freunde?

Ich persönlich mache da (meistens) einen Unterschied zwischen Online und Offline … Aber es gibt Fälle, da verschwimmen diese Grenzen. Ist jemand, mit dem man telefoniert hat nur Online, oder ist das schon Offline? Ist jemand, den man einmal getroffen hat On- oder Offline?
Schwere Fragen, denke ich, und keine die man so einfach und pauschal beantworten kann.

Ein Riesen-Vorteil der Online-Freunde ist, dass man durch die Natur des Web recht einfach an Menschen gerät, die ähnliche Interessen, Denkmuster und auch Probleme haben. Es ist nahezu unmöglich – wenn man sich auch nur ein wenig anstrengt – keine Seite/Forum/Newsgroup zu finden, die sich einem bestimmten Thema widmet.

Als ich begann mich mit dem Thema SVV auseinanderzusetzen … habe ich nicht gesucht … das ergab sich Jahre später. Und, auch wenn es möglich ist, dass sich die Seiten/Foren erst in näherer Vergangenheit geformt haben, war ich doch sehr überrascht, wieviel man zu diesem Thema an “Selbsthilfegruppen” findet.
Dieses Wort steht mit Absicht in Anführungszeichen, weil ich es eher als … Interessengemeinschaft sehe. Auch dieses Wort trifft es nicht wirklich. Es ist wohl ein Mittelding. JA, die Mitglieder leisten sich gegenseitig Hilfe, aber das ist nicht der Kern des ganzen. Der Kern ist es, unter gleichgesinnten (in diesem Fall: Leute mit gleicher/ähnlicher Erfahrung) Erfahrungen auszutauschen, ohne die sonst üblichen Vorurteile, oder abgedroschene Floskeln. Unterhaltungen im Bekannten/Verwandtenkreis haben mir gezeigt, dass das Verständnis für SVV stark gegen Null tendiert, wenn man mit Menschen spricht, die keinerlei persönliche Erfahrung mit dem Thema haben.
Und ein wenig Recherche in den Foren ergibt, dass nahezu alle Angehörigen eher … hilflos … vor diesem Thema stehen.

Gerade deswegen finde ich es so ausgesprochen wichtig, dass ein Mensch andere Menschen finden kann, die das selbe “Schicksal” teilen … mit denen er sich austauschen kann, und nicht ellenlang erklären muss, was in einem vorgeht, wieso man es nicht oder nur mit solchen extremen Anstrengungen überwinden und hinter sich lassen kann.

Gerade durch die viel-erwähnte und oft kritisierte Anonymität fällt es Menschen mit Problemen leichter, sich auszutauschen, sich zu “outen”. Und dadurch fällt es wiederrum den anderen leichter offen zu sprechen, was den Austausch fördert, und damit … vielleicht … einen Heilungsprozess in Gang setzen kann.

Allerdings führt diese Anonymität auch dazu, dass man sich viel leichter und schneller und weiter öffnet, als das sonst der Fall wäre. Dies macht einen leider angreifbar und verletzlich… Aber es eröffnet einem auch die Möglichkeit auf wunderbare Freundschaften und Gespräche.

Genau diese starke Öffnung ist es aber, die gelegentlich auch zu Missverständnissen führt.

Womit wir eigentlich wieder fast am Anfang dieses Blogs wären:
Was ist Freundschaft? Welche Gefühle kann man Online entwickeln? Kann man Freundschaften schließen? Kann man sich verlieben?
Gibt es vielleicht … zwei Versionen dieser Gefühle? Gibt es eine “Online-Freundschaft” und eine “Offline-Freundschaft”? Ich habe jetzt mehrfach mitbekommen, wie Menschen eine reine online Beziehung führen. Ich selbst denke, dass geht nicht. Dazu muss es das ganze vorher, oder zwischendrin auch offline geben. Sicher kann man eine Phase des nicht-beieinander-seins so überbrücken, aber es ist nicht das selbe.
Und es ist etwas anderes ob man schreibt/liest *kussgeb* oder ob sich wirklich reale Lippen berühren. Aber … es fällt einem sehr viel leichter, *kussgeb* zu schreiben, als den Mumm zusammen zu nehmen, das auch real zu tun …
Egal … wie ernst man die Geste meint … es ist und bleibt einfacher, dass online zu tun. Die Frage dabei ist – meiner Meinung nach – wie die angeschriebene Person das ganze wahrnimmt. Wenn ich so etwas schreibe, weiß ich ja, was ich empfinde und … rüberbringen möchte. Aber … wie nimmt es mein Gegenüber auf?

Bei geschriebenem gibt es immer eine Menge … Interpretationspielraum. Eine reale Umarmung, ein realer Kuss … da gibt es recht wenig dran zu deuten. :) Wie oft wurde (und werde ich wohl noch) falsch verstanden, weil mein Gesprächspartner einfach nicht weiß, wie ein bestimmter Ausdruck von mir aufzufassen ist? Und … da kann auch der Gebrauch von Smileys nur bedingt etwas ändern…

*lacht* Dieser Blog ist … deutlich anders ausgefallen, als ich am Anfang … beabsichtigt hatte. Aber … er spiegelt – wie alle meine Blog – etwas mir wichtiges wieder.
Die angesprochenen Aspekte sind … widersprüchlich, aber alle Teil des “grossen Ganzen”. Gerade das macht das Thema “Online-Freunde” so … kontrovers. Es wird ständig diskutiert, und nur selten kommt die Generation zu Wort, die dieses Phänomen tatsächlich erlebt und … “erfunden” hat. Das bedaure ich, weil … wer ist besser qualifiziert als die, die es “praktizieren”?

In diesem Sinne: Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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