Wahrheit & Manipulation & Paranoia
Kategorien: Mein Leben
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“Die Wahrheit, die volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit”…
So, oder so ähnlich, lautet der Schwur, den man vor Gericht leistet, wenn man eine Aussage macht.
Dies ist – etwas ungewöhlich formuliert – mal wieder ein Fall von Dreieinigkeit. Mir war lange nicht klar, wieso man das gerade so sagt… bis ich es dann irgendwo gelesen habe:
- Die Wahrheit, also keine Lügen.
- Die volle Wahrheit, also nichts verschweigen.
- Nichts als die Wahrheit, also nichts dazu dichten.
1 und 3 sind ja nicht weiter schwer, finde ich. Aber ich bin … mehrfach schuldig, gegen 2 verstossen zu haben. Klar, war das nicht in einem Gerichtssaal, weil da hätte ich mich damit ja strafbar gemacht… ![]()
Aber … ich glaube … im tagtäglichen Leben ist es schwer, 2 immer einzuhalten. Die anderen beiden sind … recht einfach, wenn man bereit ist, mit eventuell negativen Konsequenzen zu leben… Zugegeben … es ist nicht immer schön, mit eben diesen Konsequenzen zu leben, aber … es geht.
Was allerdings das verschweigen von Wahrheiten angeht … das ist schwerer …
Ich – persönlich – bin der Meinung, dass es diverse Situationen gibt, in denen es vollkommen gerechtfertigt, und sogar (objektiv, philosophisch gesehen) besser ist, manche Dinge einfach NICHT zu erwähnen.
Bestes Beispiel: Gäste … diese sollten z.B. den Gastgeber nicht auf … Unzulänglichkeiten seiner Wohnung hinweisen … Er mag ja schäbig wohnen, aber er gibt sich alle Mühe Gastfreundlich zu sein. Da wäre es doch vollkommen unangemessen über den kleinen Flecken auf der Tischdecke zu reden…
Daraus ergibt sich insgesamt aber die philosophische Frage: “Was ist Lügen?” … Ich kann dazu nur meine eigene, persönliche Anschauung beisteuern:
Wahrheit vorenthalten ist nicht Lügen.
Es ist, auch nach meiner Definition, in einigen Situationen moralisch fragwürdig, etwas nicht zu erwähnen, wenn es wahr ist, aber … in sehr vielen Situationen durch höhere ethische oder philosophische Werte rechtfertigbar, und deswegen in meinen Augen KEINE Lüge.
Was bringt es einem Menschen, einem anderen Menschen Wahrheit vorzuenthalten?
Warum möchte ein Mensch das tun?
Zum einen … Schmerz oder Leid (psychisch und Physisch) verhindern. Das sind für mich die primären Gründe. Wo es etwas … unklar wird, ist, wenn 1 oder 3 ins Spiel kommen … In einem solchen Fall hängt es stark davon ab, welche Werte man wie stark bemisst.
Für mich – ganz persönlich - ist es immer am wichtigsten/wertvollsten, Schmerzen und Leiden zu verhindern. Daran bewerte ich mein komplettes Handeln:
Welchen Schaden/Welches Leid kann ich anrichten, wenn ich XYZ tue? Welchen Effekt hat es, wenn ich das mach?
DAS sind schwere Fragen, aber welche, die ich mir automatisch stelle, wann immer eine “wichtige” Entscheidung “fällig ist”.
Ein Mensch kann, durch dass Zugestehen oder Vorenthalten von Informationen (oder Wahrheiten) die Reaktion eines anderen Menschen beeinflussen. Wir alle basieren unsere Entscheidungen auf den uns – in diesem Moment – zur Verfügung stehenden Informationen ((oder so wahrgenomennen) Wahrheiten).
Womit wir … recht elegant (if I may say so myself
) … beim Thema der Manipulation sind.
Als erstes sollten wir klarstellen, dass ich der Meinung bin, dass jeder Mensch beeinflussbar/manipulierbar ist.
Was ist (in meinen Augen) der Unterschied zwischen diesen beiden Worten?
Beeinflussen ist nicht bösartig. Es ist niemals nachteilig für die beeinflusste Person!
Manipulieren kann bösartig sein, muss es aber nicht.
Durch das Vorenthalten von Informationen (2) kann man eine Person beeinflussen oder manipulieren. Das hängt sehr vom … skill-level … ab. Und auch von der Motivation.
Auch durch das Erfinden von Tatsachen (3) kann man Menschen beeinflussen oder manipulieren.
Ich weis, dass ich manipulierbar und beeinflussbar bin. Ich bin auch der Überzeugung, dass das jeder andere Mensch ist, auch wenn er oder sie das nicht zugeben mag.
Das Problem ist … selbst zu merken, wann man M oder B wird (zu faul zum ausschreiben
) Ich sehe das Problem darin, das … Beeinflussungen sehr leicht mit einfach realen (objektiven) Wahrheiten verwechselt werden können.
Wenn mich jemand liebt, wird er mir das selbe sagen, wie jemand, der bei mir den (falschen) Eindruck erwecken möchte, dass er/sie mich liebt.
Womit wir – erneut recht elegant – beim Thema Paranoia sind
Geht man in die Welt und geht davon aus, dass jeder aufrichtig ist, wird man sicher verarscht.
Geht man in die Welt und geht davon aus, dass jeder unaufrichtig ist, verpasst man ALLE chancen auf positive Gefühle, oder positive Erlebnisse.
Ein Mittelweg ist sehr schwer zu finden.
Ich bin überzeugt davon, dass ich von anderen Menschen beeinflusst und/oder manipuliert werde. Worüber ich mir nicht sicher bin ist: WARUM? Mit Welchem ZIEL?
Ich kann nur hoffen, dass mir niemand schaden will, auch wenn ich weis, dass das unrealistisch, ja sogar naiv, ist. Die Frage stellt sich: Bei wem ist mein Vertrauen gerechtfertigt, und wer … verfolgt eigene (eventuell schädliche) Ziele?
Jemand mir wichtiges sagte mal: “Männer sind am einfachsten zu manipulieren.”
Ja, wenn man bestimmte “Taktiken” anwendet stimmt das …
Und hier stellt sich die Frage: Wann sind diese Taktiken in Verwendung, und wann nicht?
Das ist eine Frage, die ICH mir zur Zeit nahezu konstant stelle: Werde ich manipuliert, oder ist mein Vertrauen, meine Zuneigung, gerechtfertigt.
Und – ironischer weise – ist das eine, die ich niemals verbal stellen kann und mit der Antwort zufrieden sein:
Jemand der mich manipulieren will wird mir genau das selbe sagen, wie eine Person, die es ehrlich meint.
Jemand, der es aufrichtig und ernst meint wird mir das selbe sagen, wie die Person, die mir schaden möchte.
Das ist es, was Menschen so zu kotzen macht. Meisstens … es gibt Ausnahmen, und ich hoffe, dass ich mich innerhalb dieser Ausnahmen bewege, das mein Vertrauen in die Personen, bei denen es existiert, gerechtfertigt ist.
Dies ist … ein wirrer Eintrag. Einer, den ich seit über einer Woche immer und immer wieder neu verfasse, und jedesmal noch ein wenig erweitere.
Ich hoffe aufrichtig, dass niemand beim lesen der Kopf platzt
Aber ich würde mich sehr über Kommentare von allen Lesern freuen! Aber ich weis gleichzeitig, dass die mir in diesem Sinne wichtigste Person sehr wahrscheinlich (wieder) schweigen wird…
In diesem Sinne:
Danke für die Aufmerksamkeit (und sorry für die Kopfschmerzen
You and me are strange sometimes …. Good writing! And no headaches.
Been simmering over similar thoughts lately …. Will call you later if I may.
Spontaner Gedanke beim Lesen: Wenn ein Mensch so handelt, daß er mir schadet, macht es dann einen Unterschied, ob er in dem Bewusstsein gehandelt hat, mit zu schaden, oder ob er nur an sich selbst dachte und mir “als Nebenwirkung” geschadet hat? Rechtfertigt die zweite Möglichkeit das Handeln eher, weil es nicht absichtlich war oder zählt nur das Ergebnis?
Wer mir bewusst und willentlich schadet, den kann ich schnell verurteilen, aber wie ist es mit dem Fahrlässigen, dem Unwissenden? Hätte er es besser wissen MÜSSEN?