Lebensberechtigung
Kategorien: Mein Leben
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Ich muss zugeben, dass ich ein sarkastischer, und manchmal zynischer Mensch bin. Ich gehe durch’s Leben, schaue mir an, wie andere Menschen handeln, und erlaube mir ein Urteil über dieses Handeln. Es gibt Situationen, in denen ich mich intellektuell und moralisch überlegen fühle.
Zum Thema Intellekt: Ich betrachte Menschen, die aus einem Karibik Urlaub zurükkehren, in Top und Minirock, und sich dann wundern – und beschweren -, dass es in Deutschland im Januar kalt ist. Menschen, die nach dem Gesetz nicht volljährig sind, und aus Mangel an Verständnis über Verhütung Kinder zeugen, und danach überfordert sind, diese Kinder angemessen betreuen oder aufziehen können, und danach die Gesellschaft verantwortlich machen. Menschen, die Billig- und Sonderangebote jagen, und sich dann beschweren, dass sie dort nicht das selbe Produkt bekommen als die, die 10 Mal mehr bezahlt haben.
Diesen Menschen bin ich definitiv intellektuell überlegen. Wer mag, darf mir dies gerne als Arroganz unterstellen, aber Arroganz muss man sich erarbeiten und verdienen. Des Weiteren denke ich, dass Menschen, die nur bedingt fähig sind, diesen Intellekt aufzubringen der Gesellschaft – als Ganzes – schaden. Das ist eine harte Aussage, aber ich glaube, sie ist wahr.
Bleibt noch der Punkt der Moralität. Und hier wird es aus meiner Sicht grau, zumindest für mich.
Es gibt diverse Dinge und Verhaltensmuster, die ich sehe, die für mich unmoralisch sind. Stellenweise sogar Moral-Zerstörend. Habe ich ein Recht diese zu kritisieren? Ich denke, das hängt davon ab, welche moralischen Werte man als Messlatte anlegt. Sind meine akzeptiert? Angemessen? Anwendbar?
Ich behaupte, dass ich – im grossen und ganzen – die selben Grundsätze verfolge, wie die meissten anderen Menschen in meiner Gesellschaft (zumindest behaupten zu tun). Ich gebe zu, dass ich mir oft höhere Werte abverlange, und gelegentlich auch das Recht herausnehme, Grundsätze ein wenig zu dehnen.
Heute Nacht habe ich gewisse Gedanken entwickelt, deren Begründung, Auswirkungen und Herleitung mich zweifeln lässt. Wende ich meinen üblichen Massstab an, hätte ich damit – teilweise – meine eigene Lebensberechtigung verwirkt.
Diese Beurteilung gehört meiner Meinung nach genauso zu Moralität, wie alle anderen “Regeln”. Darf ich mich, bzw “man sich” (in der Meta-Ebene) von den eigenen Grundsätzen ausnehmen? Ich denke nicht. Und solange es im Kopf bleibt, als Gedanken, und nicht in Handlungen resultiert, bleibt es “Probehandeln”, und sollte damit nicht verurteilt werden. Immerhin weiss nur eine Person davon.
Dennoch beunruhigt mich die Fähigkeit, eben diese Gedanken zu formulieren. Ich hatte in der Vergangenheit Gedanken, die man theoretisch (absolut) als verwerflich bezeichnen könnte, aber ich denke dass sie objektiv berechtig waren, und wurde darin von etlichen anderen bestätigt. Die aktuellen (und IMHO kindisch-sinnlosen) wird mir sicher niemand bestätigen, und aus dem Grund werden sie wohl in meinem Kopf (und mit mir sterben). Aber sie sind intensiv. Ich kann sogar erklären, wie ich dazu kam, und was ich mir davon verspreche, auch wenn ich weis, dass es nicht wirklich – real und objektiv – zutrifft.
Ich wünschte mir jetzt eine x-lange Auszeit, irgendwo alleine, um das alles durchzudenken, aber die habe ich nicht, und werde sie nicht bekommen. Das ist bedauerlich. Irgendwie sollte jeder Mensch eine gewisse Menge an Time-Outs bekommen, für eben solche Überlegungen.
Ich schaue jetzt noch ein wenig DVD, trinke weiter und geh dann schlafen.
Pass auf Euch auf, ihr seid grossteils wertvoll.
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